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32 bunte Bikerjahre … immer mit Daytonas

32 Jahre ... ziemlich auf den Punkt genau ... 1986 also ... ich zog nach Berlin, um dort mein Studium zu beginnen ... ja, damals stand die Mauer noch. Sicher fragt ihr euch jetzt, wieso schafft man sich in einer von einer Mauer umgebenen Stadt ein Motorrad an? Grundsätzlich gebe ich euch recht ... keine schönen Mopedstrecken und man fuhr ziemlich schnell – bildlich gesprochen – vor die Wand. Hier kommt die Erklärung: Meiner ersten großen Liebe wegen habe ich so bald wie möglich einen Zweiradführerschein gemacht: Klasse 4, beim TÜV die Prüfung und dann mit einem 50er-Zündapp-Roller die Strecke zwischen seinem und meinem Heim von sagenhaften 11km unsicher gemacht. Nun ja, die Liebe zu ihm ist zerbrochen, die Liebe zum Zweirad blieb, und als der Autoführerschein anstand, war es für mich überhaupt keine Frage: Klasse 1 musste es auch sein. Das hat 1982 auch wunderbar geklappt – sehr zur Freude meines Vaters (er hat jedes meiner darauffolgenden Zweiräder gefahren Smiley), aber zum Leidwesen meiner Mutter. Sie hat sich immer Sorgen gemacht. Das war der Grund, weshalb ich mir damals zunächst kein Motorrad, sondern ein Auto gekauft habe. Naja, so etwas in der Art zumindest, eine Ente ist es geworden, ein 2CV. Manche nennen es Lebenseinstellung. Als ich dann nach Berlin zog und durch Zufall günstig eine Z250 angeboten bekam, war alle Vernunft über Bord geworfen: Auto verkauft, Moped gekauft ... und dann natürlich auch die passende Ausrüstung dazu erstanden. Und dazu gehörten meine Daytona-Stiefel, die ich auch heute noch fahre. Seitdem habe ich viele schöne Motorradtouren gemacht, längere Urlaube, aber auch viele Wochenend-Touren und Tagestripps. Über die Zeit haben sich verschiedene Motorräder in meinem Besitz die Ehre gegeben. Eine Z400 löste die Z250 ab, diese wiederum wurde von einer 125er Sanyang und einer 150er Guangyang abgelöst. Größere Motorräder waren dort damals nicht zu kriegen. Ja, ich habe ein Jahr in Taiwan gelebt und konnte mir eine Zeit ohne Motorrad nicht vorstellen. Und da ich von Freunden Besuch bekam, habe ich eine zweite gekauft, so dass wir gemeinsam zweimal die Insel umrunden konnten. Ist eine Reise wert, zumindest einige Orte dort sind landschaftlich wunderschön! Eine 650er Guzzi Florida, eine Guzzi Cali II, eine 650er BMW, eine Triumph Trident folgten, aber ich hatte mein Herz für Italiener entdeckt und fahre inzwischen eine Ducati: 750er Monster. Ich werde den Italienern treu bleiben, genauso wie den Daytona-Stiefeln, die mich seither mehr als 100.000 km begleitet haben. Die längste Tour, die sie mit mir gemacht haben, war ca. 6.000 km lang: mit dem Zelt, raus aus Berlin, runter nach Portugal, also quer durch Europa. Die Pyrenäen lagen auf dem Weg, genauso wie furchtbar heiße Durststrecken durch Spanien und auf dem Rückweg über das gerade erst geöffnete Stilfser Joch durch strömenden Regen bei Eiseskälte. Stolz wie Bolle unten angekommen und erst mal triefend nass und steifgefroren zu einer Freundin. Kurz vorher angerufen (aus einer Telefonzelle wohlgemerkt, Handys gab es noch nicht Zwinkerndes Smiley). Sie hatte schon die Badewanne eingelassen und mir trockenes Zeug rausgelegt. Was war ich doch dankbar ... und dann weiter zurück Richtung Berlin. Kurven gekratzt ohne Ende – 32 Jahre ... 32 Jahre mit immer den gleichen Stiefeln ... die so langsam in den verdienten Ruhestand dürften. Und wer sich jetzt fragt, wie kann denn die überhaupt Kurven fahren, wo soll sie das denn in Berlin gelernt haben, dem sei gesagt: Autobahnkreuze sind zum Üben nicht schlecht ... Und natürlich die vielen Touren zu Mopedtreffs, nach Italien und wohin auch immer. Hauptsache schöne Strecke. P.S.: Der Ehrlichkeit halber muss ich allerdings auch gestehen: 2 Jahre hatten die Daytonas Babypause …
Beate Bahlke